Stefanie Rudolph

Das Geheimnis über die einzig wahre Textilfaser

Relativ ernüchternd kommt es daher, dieses Geheimnis, das eigentlich keines sein sollte, denn offen gesprochen: die universell perfekte Faser gibt es schlichtweg nicht, was aber keineswegs bedeuten soll, dass die bestehende Auswahl an einer Vielfalt sehr guter Fasern nicht mindestens ebenso wertvoll ist. In dieser Artikelserie klären wir über die gängigsten Faserarten, ihre Eigenschaften sowie Vor- und Nachteile auf und geben einen kleinen Einblick in unsere Motivation, verschiedene Fasern zu präferieren oder auch gänzlich zu umgehen. Natürlich hat jeder seinen heimlichen Favoriten, aber der Fairness halber erscheinen diese Artikel in alphabetischer Reihenfolge.


Teil 1: Baumwolle

Baumwollfasern sind rein natürliche Fasern der Baumwollpflanze und bedürfen somit keinem chemischen, energieaufwendigen Herstellungsprozess. Alles, was die Baumwollpflanze benötigt, sind Erde und Wasser, und davon weniger als oft behauptet.

Cotton Boll
Cotton Boll


Insbesondere der Wasserverbrauch im Baumwollanbau wird häufig thematisiert, allerdings sollte an dieser Stelle erwähnt werden, dass die Hälfte der weltweiten Baumwollplantagen ausschließlich auf Wasserreserven aus Regenfällen zurückgreift. Darüber hinaus sind nur drei Prozent des für Agrikultur genutzten Wassers weltweit den Baumwollfeldern zuzuschreiben und das, obwohl laut WWF etwa die Hälfte aller Textilien weltweit aus Baumwolle besteht.

Vor allem der wachsende Fokus auf Bio-Baumwolle trägt zu verbesserten Bedingungen in puncto Nachhaltigkeit bei.

Bio-Baumwolle wird aus natürlichem Saatgut hergestellt und es kommen zudem keinerlei Pestizide oder andere schädliche Chemikalien zum Einsatz. Ungeziefer, wie z.B. Wanzen werden mit Insekten bekämpft, die diese Schädlinge wiederum eliminieren.

Reguläre Baumwolle wird mit genetisch modifizierten Samen gezüchtet, um eine bessere Resistenz gegen Ungeziefer zu schaffen. Reicht diese alleine nicht mehr aus, muss auf Pestizide zurückgegriffen werden. Allerdings haben Innovationen im biotechnologischen Bereich es Farmern bereits ermöglicht, ihren Pestizidverbrauch in den letzten 20 Jahren zu halbieren. Insektizide werden hingegen nur verwendet, wenn die Pflanzen noch jung und verwundbar sind. Sobald sich allerdings die wollige Knospe geöffnet hat, und die Pflanze reif ist, sind Insektizide nicht mehr notwendig. Zudem durchleben Baumwollgewebe im Rahmen ihres Wertschöpfungsprozesses mehrere Waschgänge, wodurch eventuell vorhandene chemische Rückstände gänzlich beseitigt werden.

Cotton Seedling
Cotton Seedling


Ein weiterer Unterschied zwischen Bio-Baumwolle und regulärer Baumwolle ist die Bodenqualität. Reguläre Baumwolle immer und immer wieder auf dem gleichen Boden angebaut, was die Bodenqualität verschlechtert, Nährstoffe entzieht und zu ungesunden Ernten führt. Da diese Kulturen folglich mehr Wasser benötigen, werden sie verstärkt bewässert, was zu Wasserverschwendung führt. Bio-Baumwolle wird von einem Boden zum anderen rotiert und die vorhandenen Nährstoffe behalten das Wasser länger ein, so dass weniger Bewässerung erforderlich ist. Dies führt im Endeffekt zu gesünderen Nutzpflanzen. Baumwolle, unabhängig ihrer Qualität, verursacht im Waschprozess im Gegensatz zu synthetischen Fasern keinen Mikroplastikabfall. 100%ig reine Baumwollgewebe sind zudem biologisch abbaubar, gelangen zurück in die Erde und reichern diese an.

Textilspezifische Eigenschaften

Neben dem Aspekt der Nachhaltigkeit- und Umweltfreundlichkeit werden Fasern natürlich nach wie vor anhand ihrer Eigenschaften bewertet und hier hat Baumwolle einiges zu bieten.

Baumwolle ist nicht nur feuchtigkeitsableitend sondern gleichzeitig auch atmungsaktiv. Zudem ist sie sehr weich und angenehm auf der Haut und verfügt trotzdem über eine gute Drapierbarkeit. Auch in puncto Wärmeisolation und Dehnbarkeit schlägt sich diese Faser solide. Baumwolle gilt des Weiteren als hypoallergen, was bedeutet, dass diese Naturfaser nur eine äußerst geringe Neigung hat, allergische Reaktionen auszulösen. Sie verursacht auch keine Hautreizungen oder Irritation und kann gänzlich sterilisiert werden. Die mikrobielle Resistenz von Baumwolle ist gering, dafür sind die Fasern sehr widerstandsfähig gegen Motten- und Käferbefall und damit verbundene Schäden. Darüber hinaus ist Baumwolle sehr hitzebeständig, wodurch sie gut zu reinigen ist, da sie sogar gekocht werden kann. Ausserdem gehört Baumwolle, ebenso wie Leinen oder Seide, zu den Naturstoffen, die sich recht gut färben lassen. Kleidung aus reiner Baumwolle hat vor allem den Vorteil, dass die Farbe sich sehr gleichmäßig auf dem Textil verteilt. Dadurch sehen gefärbte Kleidungsstücke aus Baumwolle in der Regel sehr natürlich aus.

Wie jede Faser hat auch Baumwolle ihr Schwächen, denn auch hier gilt: Nobody’s perfect.

Baumwollgewebe sind in ihrer naturbelassenen Form relativ knitteranfällig, was bei Bedarf allerdings durch verschiedene Treatments behoben werden kann. Ebenfalls im unbehandelten Zustand zu beachten gilt ihre Tendenz bei Hitze, sowohl in Verbindung mit, als auch ohne Wasser, zu schrumpfen. Zwar kann Baumwolle Wasser gut und vor allem auch verhältnismäßig viel davon im Vergleich zu ihrem Eigengewicht aufnehmen (etwas ⅕) braucht dafür aber auch relativ lange zum Trocknen. Die hydrophile Eigenschaft der Baumwolle ist gleichzeitig der Grund dafür, dass unerwünschte Flecken sich gut und schnell ausbreiten und manifestieren können. Zudem ist die naturbelassene Faser nicht überaus widerstandsfähig und kann unter UV-Einstrahlung verblassen.

Cotton sheets in the sun
Cotton Sheets in the sun

Baumwolle ist nicht gleich Baumwolle

Was viele nicht wissen - es gibt hier bedeutende Unterschiede. Die Qualität der Baumwolle definiert sich über ihre Faserlänge (Stapel). Folglich gilt: Je länger die Faser, desto höher die Qualität der Baumwolle. Einige Baumwollsorten haben kurze ‘Stapel’, während andere lange oder sogar extra lange ‘Stapel’ (ELS) aufweisen. Garne aus längeren Fasern ermöglichen die Herstellung von langlebigeren und weicheren Stoffen. Die meisten Baumwollfasern, die in der Massenmode zum Einsatz kommen, sind kurz oder mittellang. Hochwertige Designermarken verwenden hingegen öfter qualitative Baumwolle. Unter den Premiumbaumwollsorten sind die am weitesten verbreiteten die Pima bzw. Supima und die Ägyptische Baumwolle.

Mit ägyptischer Baumwolle verhält es sich wie mit dem Olivenöl aus Italien, Uhren aus der Schweiz oder Autos aus Deutschland – hier steht die Herkunft synonym für Qualität und das aus gutem Grund.

“Echte” ägyptische ELS-Baumwolle gilt neben der PIMA als eine der edelsten Baumwollsorten der Welt. So sind z.B. Giza 45 und Giza 70 echte ELS Sorten, die super weiche, edle und strapazierfähige Gewebe ermöglichen. Auch sehr grosser Beliebtheit erfreut sich z.B. die weit verbreitete GIZA 90, welche als langstapelige Baumwollsorte zu klassifizieren ist. Ihre Fasern sind ein wenig kürzer (unter 35mm) und gröber als die der GIZA 45 oder 70.

Pima, Ursprünglich aus Amerika stammend, wird heutzutage neben den USA auch in Australien, Peru und Israel angebaut. Ihre extra-langstapeligen Fasern machen Pima Baumwolle bemerkenswert weich und robust. Das Ergebnis sind edle Stoffe, die strapazierfähig gegen Ausfransen, Reißen, Faltenbildung und Verblassen sind.

Supima (Superioir Pima) ist der eingetragene Markenname für 100% Pima-Baumwolle aus den USA. Die 1954 gegründete Organisation ‘Supima’ wurde in Texas ins Leben gerufen um die gleichnamige Marke zu schützen, sie bezieht sich aber nicht auf eine neue Baumwollsorte. Während Pima häufig mit minderwertiger Baumwolle gemischt wird, kann man sich bei zertifizierter Supima-Baumwolle relativ sicher sein, dass es sich wirklich um 100% amerikanische Pima handelt. Weitere Baumwollqualitäten finden Sie hier.

Wir bei weba bauen seit 2018 unsere eigene GIZA Bio Baumwolle in Ägypten an. Seit 2019 ernten wir bereits 3 Sorten: GIZA 45, GIZA 96 (beide extra langstapelig) und GIZA 86 (langstapelig). Weitere Infos zu unseren Baumwollplantagen finden Sie im Video.

Warum verwenden wir primär Baumwolle?

Cotton Dress Shirt
Cotton Dress Shirt


Als Hersteller von Geweben für Männer Hemden, wovon ein Großteil der Kategorie Businesshemden zuzuordnen ist, hat die Baumwollfaser für uns sehr bedeutende Vorzüge, während ihr Makel nur eine untergeordnete Rolle spielen. Reine strahlende Farben, die alle auf einem sauberen weißen Grundton basieren, sind in diesem Segment von überaus großer Bedeutung - Baumwolle bringt diese Eigenschaft mit sich. Männer- und insbesondere Businesshemden erfordern für einen guten Sitz eine gewisse Standfestigkeit bzw. die Fähigkeit, Form und Stabilität zu erhalten. Hier sind wir mit Baumwolle bestens bedient. Des Weiteren handelt es sich hierbei um eine Faser, die sich im Webprozess einfach und gut verarbeiten lässt. Durch ihre hypoallergenen Eigenschaften umgehen wir zudem das Risiko, Hautirritationen beim Träger hervorzurufen. Zudem zeigen Ausrüstungen wie iron- oder wrinkle free auf Baumwollgeweben eine besonders gute Wirkung.


Warum verwenden wir nicht nur noch Bio-Baumwolle?

Primär, weil Biobaumwolle leider noch einen sehr kleinen Anteil am Weltmarkt hat und sekundär, weil noch nicht jeder Konsument bereit ist, die höheren Preise für Bio Produkte zu zahlen. Kurz gefasst – weltweit und gesamtheitlich gesehen, besteht ein Nachfrageüberhang nach Bio-Baumwolle. Auf die individuelle Sichtweise heruntergebrochen, sind nur in seltenen Fällen 100% aller Kunden eines Unternehmens auf ausschliesslich Bio-Baumwolle fokussiert. Nichts desto trotz steiget die Nachfrage am gesamten Textilmarkt stetig und dies führt wiederum zu einem wachsenden Anbau von Bio-Baumwollplantagen. So haben sich zum Beispiel die Mitglieder des deutschen Textilbündnisses, die rund die Hälfte des deutschen Textilmarktes abdecken, das Ziel gesetzt, bis 2020 mindestens 35 Prozent ihres Bedarfs mit nachhaltiger Baumwolle zu decken. Dabei müssen zehn Prozent der Gesamtmenge Bio-Baumwolle sein. Bis 2025 soll der Anteil nachhaltiger Baumwolle dann auf insgesamt 70 Prozent steigen, der darin enthaltene Anteil an Bio-Baumwolle steigt somit auf 20%. Wir selbst streben an bis 2025, 50% unserer Baumwolle aus biologischem Anbau zu beziehen.

Stefanie Rudolph