Stefanie Rudolph

Check patterns

Mens Fashion AW2021

Alles ausser kleinkariert

Karos in Hülle und Fülle - von London bis Paris. Für die Saison AW 2020 durften Karo Muster auf keiner Runway Show fehlen. Übergroße karierte Hemden auf der Grunge inspirierten Gucci-Show, elegante Karo Anzüge bei Armani oder ausgefallene Statement Mäntel von Etro? Diesen Herbst gibt es Karomuster für jedes Kleidungsstück, jede Stilrichtung und jeden Geschmack - von Glencheck und Fensterkaro über Vichy bis Tartan - jede Musterwahl ein Treffer.

Zwar erreichen Karomuster in dieser Saison ein Hoch, das besonders hervorsticht, allerdings ist dieser Trend ein immer wiederkehrender - woher also die Faszination für Karomuster?

Allem voran gehören sie zu den ältesten Mustern der Welt und haben bis heute einen traditionellen Charakter und sind nach wie vor von kultureller Bedeutung in bestimmten Regionen dieser Welt, wie z.B. in Schottland.

Man geht davon aus, dass die ersten „Schottenkaros“ ihren Ursprung in der Weberei fanden und durch das Verweben von heller und dunkler Schafwolle entstanden. So, wie die Färbung der Schafe, waren auch diese Muster von Region zu Region unterschiedlich und etablierten nach und nach bestimmte Standards. Auch, als die künstliche Färbung hinzu kam, dienten diese Tartans nach wie vor der Kennzeichnung der Bewohner einer bestimmten Gegend. Der Huntly District Tartan oder der Glen Orchy District Tartan sind Beispiele dieser besagten regionalen Designs.

Traditional Tartan
Traditional Tartan

Seit etwa dem 16. Jahrhundert waren die Tartans nicht mehr einfach nur Kennzeichen einer Region - die Zuordnung zu einzelnen Clans nahm ihren Lauf. In den Auseinandersetzungen der Schotten mit den Engländern erlang der Tartan eine Bedeutung, die weit über die eines Stück karierten Gewebes hinausging. Wer seinen Tartan trug, symbolisierte, dass er sich als Schotte, auch im politischen Sinne, bekennt. Das ist – ausgenommen vom Tragen einer bestimmten Kleidung zu “lediglich” modischen Zwecken – auch heute noch so.

Nach Aufhebung des Tartan Verbots, welches zwischen 1748 und 1782 verhängt worden war, kam es wahrhaftig zu einem Tartan Revival. Die englische Oberschicht hatte die schottische Highland-Kultur als neue Form der Mode für sich entdeckt und sich „schottisch“ zu kleiden war plötzlich en vogue. Einen Höhepunkt erreichte dieser Trend, als 1822 Georges IV als erster englischer Herrscher Schottland im Tartan besuchte.

Der älteste gewobene Tartan allerdings stammt aus China. Über 3.500 Jahre alt, wie archäologische Funde bestätigen, dienten diese Stoffe als eine Art Kopfbedeckung für Jadefiguren und präsentieren jene Formen, die heutzutage Handtücher zieren.

Karomuster haben aber nicht nur eine lange Tradition vorzuweisen, sondern auch modische Raffinesse.

Sie passen quasi zu allem und sind relativ leicht zu stylen, da man zum einen mit wenig Aufwand besondere Eye-Catcher kreieren kann zum anderen so viel Kombinations-Spielraum hat, dass man wenig falsch machen kann, denn bei Karos ist insbesondere diese Saison schlichtweg alles erlaubt:

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Karo + Uni - Einfach, aber besonders

Der Klassiker für alle, die es seriös und aufgeräumt mögen. Sei es ein kariertes Hemd mit einer farblich abgestimmten Uni Hose, ein weisses Hemd mit karrierter Statement Hose, oder ein unifarbenes Shirt mit einem Glencheck Hemd oder Sakko on top - diese Kombi bietet Spielraum, ohne es zu übertreiben.

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Karo & Denim - seit jeher unzertrennlich

Wer es ein bisschen legèrer mag, oder gar einen Hauch Western oder Country Style vertragen kann, für den sind Jeans & Karomuster die ideale Kombo. Wer dem ganzen lieber eine sportliche Note verleihen will, rundet das Outfit mit Sneakers und Athleisure Pants, wie auf Bild rechts, ab.

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Karos im Mustermix - doppelt hält besser

Streifen und Karos? Fantasy Prints und Karos? Karos und Karos? - Alles gern gesehen. Lediglich zu beachten: Die Farben sollten nicht zu stark voneinander abweichen - bestenfalls sind in allen Mustern vereinzelt Farben aus der gleichen Farbfamilie enthalten.

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Last but not least - Karos von Kopf bis Fuss

Karierte Allover, ob als Anzug oder Hemd & Hose - alles aus dem gleichen Guss. Von wegen eintönig und kleinkariert.

Fazit: Wer auf Karo setzt, kann nicht viel falsch machen, vor allem nicht, weil dieser Trend keinem One Hit Wonder gleicht. Wer in hochwertige Produkte und Materialien investiert, der erfreut sich an diesen immer wieder - spätestens beim nächsten Karo Trend, und beim übernächsten… und auch zwischendurch, denn Karomuster sind avantgarde und somit niemals wirklich aus der Mode.

Stefanie Rudolph